Wahrnehmung

Wir haben Zeit. Wir nehmen uns Zeit. Wir nehmen uns Stunden, Minuten, Momente, Augenblicke.

Wir bereuen Zeiten, sehnen uns zurück, trauern hinterher, verteufeln. Doch diese Zeiten gehören zu uns.
Diese Zeiten prägen uns.

Zeit ist einteilbar, definierbar. Stunden haben 60 Minuten, Minuten haben 60 Sekunden. Momente hingegen sind nicht einteilbar. Einen Moment kann man nicht messen. Ein Moment variiert von Standpunkt zu Standpunkt, von Abstand zu Abstand, von Gefühl zu Gefühl.

Wir nehmen Momente als etwas wahr, dass für den Augenblick gilt – für den Augenblick die größte Bedeutung besitzt. Erinnern wir uns an diesen Moment zurück, dann gilt seine Wirkung erneut nur in diesem konkreten Augenblick. So meinen wir.

Genieße den Augenblick, denn der Augenblick ist dein Leben.

Jeder Augenblick beeinflusst uns, in jede Richtung. Jeder Moment hinterlässt Spuren und brennt sich in die Seelen und Herzen der Menschen. Doch lässt sich ein Moment verzerren? Ist der Moment an sich nicht stark genug seine Bedeutung zu behalten?
Besteht der Moment nicht jede Zeit?

Erst die fortwährende Vertiefung der Bedeutung des Momentes verschärft ihn – macht ihn unsterblich.

Das Spielzeugauto des Kindes, das 40 Jahre später im Keller wiedergefunden wird. Die Bank des jungen Paares, auf der man einst in die Sterne gesehen hat und die nach unzähligen Wintern immer noch an der gleichen Stelle steht. Der Kuss am Morgen, der einen in den Tag führt. Momente und Bedeutungen, die das Leben prägen. Mehr als man meint – mehr als einem bewusst wird.

Doch wird der Moment vernachlässigt, nicht weiter vertieft, so wird er zum Schmerz, sobald er entdeckt und als zu lange fern geblieben erkannt wird.

Wir haben Zeit. Zeit all diese Momente zu sammeln, zu bewahren und mit all unserer Kraft daran zu arbeiten, dass diese Momente nie ihre Bedeutung verlieren.

 

Christian