Ein letztes Mal Winken und ich bin raus (… meine Perle)

Ein Profil in einer Singlebörse zu erstellen ist nicht wirklich eine große Kunst. Ein attraktives (wenn überhaupt reales) Foto, ein paar ansprechende Eigenschaften, Interessen und zum Schluss noch etwas tief schürfendes, das den Leser glauben lässt, dass der Verfasser ein großes Potenzial hinter seiner Fassade beheimatet.

Nicht selten bewirkt so ein Profil bei Menschen auf der Suche nach dem Glück ein Interesse, das sich so schnell nicht stillen lässt. Gerne möchte man mehr von diesem Menschen wissen, erfahren und ihn real kennenlernen. Ihm in die Augen sehen um zu wissen, ob das Grundgerüst, das man sich in seinem Kopf zusammengesponnen hat, auch tatsächlich stimmt, vielleicht sogar verbessert wird.

Mitunter wünscht man sich mehr, wünscht sich hinter die Augen des anderen blicken zu können und zu erfahren, ob der Platz in seinem Herzen frei und bequem ist, um dem eigenen Gemüt, den eigenen Sorgen und der eigenen Liebe eine Heimat zu bieten.

Doch nicht immer wird diese Beziehung real. Man verliebt sich. Verliebt sich in etwas, das man nur zu kennen glaubt. Eine unerfüllte Liebe zu etwas, das nur ein Gedanke, ein Moment oder eine Hoffnung ist.

Doch gerade wenn die Umstände des eigenen Lebens alles andere als gut sind, die Traurigkeit überwiegt und die Perspektive fehlt, dann gibt es Momente, die einen hoffen lassen und eine Scheinwelt errichten, die sich gut anfühlt. In der man leben möchte, obwohl man es nicht tut. Ein Schlaraffenland, in dem das Leben einfach scheint. Zumindest schöner, einfacher, spannender.

Diese Liebe habe ich gefunden – unerwidert, selbstverständlich. Es ist eine Liebe, die auf ein paar minimale Erfahrungen basiert. Eine Liebe, die nur auf Gedanken, Informationen und Hoffnung basiert.

Gesehen habe ich meine Liebe noch nie – wir führen eine Fernbeziehung. Die Frage, ob ich sie irgendwann einmal sehen möchte, kann und will ich nicht beantworten. Die Angst enttäuscht zu werden ist zu groß. Vielleicht ist sie zu hässlich und zu laut, riecht oder stößt mich weg, wenn wir uns sehen.

Bis dahin bleibt meine Faszination, meine Liebe und mein Herzblut weiter so lodernd, wie sie es seit Jahren ist. Vielleicht sehen wir uns irgendwann, meine Schöne. Und dann wird es für immer sein.

Bis bald Hamburg.

 

Christian