Danke

Menschen und ihre Beziehungen zueinander sind eine Charakteristik, die durch so viele Worte umschrieben aber nie erklärt werden kann. Seine Familie kann man sich nicht aussuchen, so sagt man. Und so manches Mal möchte man es dennoch oder gerade nicht.

Doch auch seinen Freunden verlangt man zu vielen Zeitpunkten in seinem Leben Dinge ab, die sie womöglich oftmals vor die Erkenntnis stellt, dass man dies bei seinen Freunden durchaus kann – aber dennoch nicht in Anspruch nimmt.

Für mich war die Definition und die Verwendung des Wortes »Freund« schon immer ein Eisen, das ich nicht anfassen wollte. Zu fließend die Grenzen und zu abgenutzt die Plattitüden anderer.

Bekannter, Kumpel, Kollege, Freund, bester Freund, BFF, HDGDL, WTF!?

Eine Kategorisierung von Gefühlen, Vertrauen, Anvertrauen und Verbindung scheitert für mich bereits in der eigenen Wahrnehmung. Darüber hinaus die Frage, ob diese Kategorisierung auf Gegenseitigkeit beruhen muss. Wie viel möchte ich nehmen, wie viel möchte der andere geben?

»Liebe ist nicht das, was du fühlst. Liebe ist das was du tust« sang einst eine sehr kluge Band. »Freunde sind nicht die, die du so nennst. Freunde sind die, die du spürst« möchte ich ergänzen.

Gerade daher verschwimmen die Grenzen in den letzten Wochen für mich in einem Maße, das sich mehr als gut anfühlt. In den letzten Wochen habe ich von vielen Menschen Zuneigung, Verständnis, Hilfe und Zuspruch erfahren – bei jedem, der mir eines dieser Dinge geben wollte auf seine ganz eigene Weise. Die Umarmung des Einen, die wertvolle Zeit des Anderen. Die kleine Geste, die große Einladung – aber immer mit einem wichtigen Resultat für mich: dem Wissen, gut aufgehoben zu sein.

Ich schreibe dies auf dem Weg nach Hamburg, der Stadt, die seit Jahren Heimat meiner Sehnsucht ist und die in meinen Tagträumen immer mehr zu einer Heimat für den Rest meines Ichs wird. Wenn ich Freunden von meinen Wünschen, Hoffnungen und Träumen von dieser Stadt und insbesondere dieser Reise erzähle, kommt immer die gleiche Frage. Und von mir die gleiche Antwort.

»Hier gibt es nichts was mich hält«

Doch ist das wirklich so? Ja. Ich habe in meinem Leben einen Kreis von Menschen kennengelernt, denen ich bedingungslos vertraue, bei denen ich mich fallen lassen kann und auf die ich in jedem Moment meines Lebens bauen kann. Und dies hat jeder auf seine Weise schon mehrfach bewiesen.

In jedem Moment – warum nicht auch an jedem Ort? Sehe ich doch meine Freunde jetzt schon kaum. Wir telefonieren, skypen, twittern, schreiben. Und dennoch ist das Gefühl da, mich immer auf sie verlassen zu können.

Ich weiß nicht, wer sich durch diesen Text angesprochen fühlen wird, aber ich denke, dass jeder diesen Worten das entnehmen kann, was er für sich beanspruchen kann.

Ohne euch, wäre ich nicht der, der ich bin. Und das Gefühl euch Vertrauen zu können, macht mich gerade sehr glücklich. Ebenso wie mich das Wissen, wie jeder von euch damit umgeht, sehr breit Grinsen lässt.

Ich danke euch. Für alles. Für immer.

 

Christian