Einsiedlerleben

Wir flüchten uns ja sehr gerne in Fantasien, von den wir wissen, dass man sie ja doch nicht erfüllt oder sogar erfüllt sehen will. Man lernt kein Instrument, weil man doch keinen findet, der einem zuhört. Man lernt keine Sprache, weil man eh nie in das Land fährt, in dem man sie benutzen könnte. Und ich fahr ja eh nie in einen einsamen Urlaub in eine alte schäbige Hütte. Aber immer wieder ertappe ich mich dabei, dem ganzen Alltag und den ganzen Gewohnheiten zumindest im Kopf den Rücken zu kehren und fischenderweise und mit schwerer Axt Holz hackend ein kurzes Einsiedlerleben zu führen. Nicht alleine natürlich – mit guten Büchern, Whisky und der Dame des Herzens. Ohne die Freunde auf Facebook, die Follower auf Twitter, die Blogs im Feedreader, den Serien auf dem TV und den Rechnungen im Briefkasten. „Mach doch“ werden Einige sagen. „Kostet doch nicht die Welt“ sagen die anderen. Doch wissen wir das genau? Vielleicht ist der Preis, den ich dafür zahlen müsste höher als gedacht. Vielleicht ist der Preis ja, später nicht mehr in der romantischen Fantasie dahin zurückkehren zu können. Bis dahin lass ich mich weiter durch Tumblr wie Cabinporn in meinem Traum bestärken und suche weiterhin die perfekte Hütte – am See, nicht im Wald, nicht zu groß, nicht zu neu, nicht zu …

 

Christian