Entspannung

‘Ich bin müde. Geschafft von der Arbeit, geschafft vom Pendeln zwischen Arbeitsplatz und Heimathafen. Sehe die Außenwelt fast nur noch im Dunkeln – na gut, so wird es in der momentanen Jahreszeit wohl jedem gehen, der nicht in irgendeinem Schichtsystem arbeitet. Ich komme nach Hause und möchte mir nur noch etwas Zeit für mich gönnen. Ich lasse mir ein Bad ein und beschließe, meine Gedanken bei einem Glas Whiskey schweifen zu lassen. So ganz zunächst nicht, denn Mad Men ist zu spannend, so dass ich mir zunächst eine Folge davon ansehe, während ich an meinem Glas nippe.

Die Luftfeuchtigkeit steigt und nach der Folge rinnt das Kondenswasser von der Scheibe des Badezimmerfensters. Das Glas ist schon zur Hälfte leer, doch meine Entspannung noch nicht vollständig erreicht. Ich beschließe – nicht zuletzt angeregt durch die sechziger Jahre in der Serie – Jazz zu hören und finde eine wundervolle Spotify-Playlist. Ich schließe meine Augen und genieße den Moment, genieße den Schluck aus dem Glas. Es brennt ein wenig auf der Zunge. Ob das der scharfe Alkohol oder doch nur der Alltag ist, den ich wegspüle, weiß ich nicht. Ich stelle mir vor, ich sei da, sei dort, wo meine Augen noch vor wenigen Minuten waren. Schalte kurz hinüber in die Zeit, die mir die Serie darbietet. Ich bin Don Draper, zumindest die nasse Badewannenversion davon.

Ich trinke Whiskey, zugegebenermaßen Jim Beam Honey, aber das ist in diesem Moment genau das richtige. Das Saxophon tut so, als wäre ich in einem Nachtclub und untermale den Sieg eines Etaterhalts, den ich gerade mitverursacht habe. Es riecht nach Badezusatz, doch in meiner Nase ist es für einen Moment eine Mischung unterschiedlicher Parfums der Menschen, die mit in diesem Club sitzen. Ich nippe noch ein wenig und stelle mir die Frage, wo eigentlich mein Cadillac steht, oder mein Plymouth, mit dem ich gleich nach Hause fahren müsste. Doch den gibt es nicht, eigentlich gibt es gerade nur mich, lauwarmes Wasser, werbefinanzierten günstigen Whiskey und gekaufte Flatrate-Musik aus einem Smartphone. Aber das ist nicht wichtig. Schließlich erfüllt es seinen Zweck – Entspannung an einem langen Tag und die Ausflucht aus der Realität. Für dieses Mal und vielleicht auch beim nächsten mal, wenn die Reise fünfzig Jahre zurück den Alltag für einen Moment vergessen macht.

 

Christian