Rauchen

Ein leidenschaftlicher Raucher, der immer von der Gefahr des Rauchens für die Gesundheit liest, hört in den meisten Fällen auf – zu lesen. Winston Churchill

Unheimlich clever, sein Versagen oder seinen fehlenden Antrieb mit einem vielsagenden Zitat einer berühmten Persönlichkeit zu untermauern. Vielleicht ist das der Versuch, dem Laster, das ich noch habe, einen gewissen Mantel der Mystifizierung über zu werfen. Damit die Dummheit und das Suchtverhalten, dem ich mehrmals täglich nachgeben muss, mit einem Witz zu versehen. „Aufhören ist einfach. Ich hab es schon so oft gemacht “… – das Interessante dabei sind die Beweggründe. Schwangerschaft, Finanzen (wobei dies in den seltensten Fällen wirklich ein Grund sein wird, wenn wir den Bildern im Fernsehen Glauben schenken), Gesundheit.

Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören habe ich viele. Die Kondition scheint noch in Ordnung zu sein, wird sie ja auch nicht wirklich geprüft, doch Husten und immer wieder ein verschleimter Hals sollten doch langsam mal reichen. Und auch die Frage, was man mit all dem Geld anstellen könne, ist ein interessanter Faktor zur Motivation. Doch das, was mich fast am meisten motiviert, ist Ekel. In den letzten Monaten merke ich immer wieder die negativen Aspekte des Lasters. Es nervt mich nicht wirklich, bei jedem Wetter nach draußen gehen zu müssen, um eine Zigarette zu rauchen, doch immer mehr fällt mir auf, wie ich entweder selbst versuche, Menschen danach nicht zu nahe zu kommen, um sie nicht mit meinem Geruch zu belästigen, oder mich sogar Kommentaren ausgesetzt zu sehen. Recht haben sie natürlich, erinnere ich mich doch nur zu gut an die Zeit, wo ich selbst nicht geraucht habe und angewidert war vom Geruch eines Rauchers kurz nach seiner Zigarette. Somit habe ich also vollstes Verständnis für die Reaktion meiner Liebsten, selbst einige Zeit nach einer Zigarette, keinen Kuss oder meine Hand nicht in der Nähe ihres Gesichts haben zu wollen. Haben wir doch selbst eigene Definition von ekligen Dingen, die wir möglichst nicht riechen, sehen oder fühlen wollen. Die Vorteile zu rauchen oder sogar in einer Gruppe von Menschen alleiniger Raucher zu sein, halten sich extrem in Grenzen. Geselligkeit kann auch ohne überteuerten Tabakkonsum erreicht werden. Und wenn wir ehrlich sind, haben die Zeiten, an denen Rauchen eine Form von Sexappeal á la Jean-Paul Belmondo oder James Dean darstellt, längst den Filter erreicht und gehören ausgedrückt.

Doch wie stelle ich es sinnvoll an? Einfach nicht mehr in die Schachtel greifen – klar! Doch sind die Versuchungen, eine Routine, die man meist allein und ohne Kontrolle aufrecht erhält, lebendig zu halten, sehr groß und erfordern Motivationen, die wir in der Regel nicht bekommen. Und aus dem Alter, wo wir eine Tafel Schokolade bekamen, wenn wir beim Arzt mutig waren, sind wir lange raus. Ich habe mir zur logischen, da finanziellen, Motivation Apps auf mein iPhone installiert, die mir sagen, welchen tollen Gegenstand ich jetzt erreicht hätte, hätte ich an Tag X aufgehört. Doch auch das hat noch nicht die wirkliche Wirkung erzielt. Ich sage mir halt dennoch stets den dummen Satz, den jeder Raucher immer wieder sagt: „Ich rauche gern!“

Stimmt auch ein wenig. Aber mittlerweile würde ich gerne lieber sagen: „Ich bin froh, nicht mehr zu rauchen.“ Ich werde nun mal wieder aufgeben, meine Jacke anziehen, meine Schuhe überstreifen, Schlüssel, Telefon, Feuerzeug und Zigaretten in die Taschen stecken und nach draußen gehen. Ich werde eine Zigarette rauchen und mir Gedanken machen, wie ich es anstelle. Vielleicht hilft mir ja das 3-Stunden-Gespräch von Holgi und Thilo Baum im Bluemoon. Wer weiß das schon“

 

Christian