Impfgegner sind eine Erfindung der Impfgegnerindustrie 1!!1elf


(via Blogrebellen)

Ich war früher ja der festen Überzeugung – und bin es teilweise heute auch noch – meinen Körper durch schiere Überzeugungskraft (in diesem Moment müssten eigentlich mehrere Spots auf mich gerichtet werden) von seiner Gesundheit zu überzeugen oder zumindest eine bevorstehende Krankheit zu verhindern. Ich fand es immer recht faszinierend mir einzubilden, sich ankündigende Lippenherpesbläschen könnten morgens nur Konzentration verhindert oder vermindert werden. Vielleicht Quatsch, aber irgendwie hat es geklappt. Ich habe dadurch nicht das Virus besiegt oder eine Heilung erzeugt, das ist mir klar. Vielleicht habe ich aber einfach eine Art Fokus auf eben diese Stelle gelegt – ebenso wie Shaolin-Mönche ihre Energie in der Magengegend sammeln bevor der Schlag mit dem Holzstock kommt. Wie viel Ironie und wie viel Wahrheit nun in diesem Absatz steckt ist unerheblich. Für mich hat es für den konkreten Fall hin und wieder funktioniert. Und vielleicht ist das auch schon mein Fazit zum Thema Homöpathie und Anti-Impfungskampagnen. Für mich …

Ja für dich du Schlaumeier! Nur weil dir bei ein paar quersitzenden Fürzen, die du sonst als Meinung tarnst, die Einnahme von Liebesperlen geholfen hat, heißt es nun nicht, dass der Rest der Welt die Rummelplätze der Nation stürmen muss, um sich kleine Nuckelflaschen mit Zuckerkugeln zu besorgen.

… in dem konkreten Fall

Oh, deine Kopfschmerzen wurden schwächer, nach dem du Globuli mit Ruhe, Entspannung und vielleicht sogar etwas Schlaf kombiniert hast? Schon verrückt – dann sollten wir vermutlich direkt Darmkrebs mit Eigenurin wegspülen und Esspapier auf eiternde Stümpfe legen.

… hin und wieder funktioniert.

Richtig! Es gibt keine Regel, wann und wie so etwas funktioniert und auf welcher Basis sich eine Wiederholung einstellen sollte.

Aber eigentlich sollte es mir ja egal sein, wer was mit seinem Körper wann anstellen möchte –Blähungen wegdenken, Schnupfen wegtanzen, Lupus wegreden. Wo der Spaß jedoch aufhört, ist die Debatte um Impfung. Die brauchen wir ja nicht, wie wir oben in dem Video gelernt haben. Es gibt ja keine Krankheiten. Alles Erfindung der Pharmaindustrie! Im Übrigen ist Benzin auch nur eine Erfindung der Ölkonzerne und unsere Autos fahren prima mit gutem Zureden. Doch, es gibt sie. Sie sind präsent und ansteckend. Und daher ist es für mich relevant, dass Impfgegner existieren. Da wird das ungeimpfte Kind im Kindergarten schnell zur Schleuder, der Krankheitsherd wird zur Krankheitsküche und – zack – dann haben wir den Salat, um mal beim kulinarischen Bild zu bleiben.Impfen ist ein mitunter notwendiger Prozess zur Wahrung eines gewissen Gesundheitsstatus des eigenen – und nun wird es wichtig – und der Körper anderer Menschen. Impfen ist wichtig, damit ich anderen nicht schade – weder gesundheitlich durch Ansteckung, noch finanziell durch teure Folgebehandlungen, die sich auf die Krankenkassenbeiträge niederschlagen, noch emotional durch belagernde und bevormundende Vorträge über die Sinnhaftigkeit von Impffreiheit.

Du armer Impfgegner fühlst dich jedoch bevormundet? Deiner Mündigkeit und deiner eigenen Entscheidungsfähigkeit beraubt, weil der böse Staat dir auferlegen – ja dich sogar zwingen – könnte, Impfungen vornehmen zu lassen? Natürlich gestützt von der Pharmaindustrie. Der gleiche böse Staat, der möchte, dass du dich anschnallst, dich krankenversicherst, ein gewisses Maß an Schulbildung genießt. Ein furchtbar böser Staat. Und dann auch noch diese bösen Mitmenschen, denen daran gelegen ist, nicht mit krankheitsübertragenden Menschen in Kontakt zu geraten – zumindest nicht so lange sie Überträger sein können. Böse Menschen. Eigentlich ist es mir ja egal – lasst euch nicht impfen, esst Butterkekse gegen Hirntumore und hört Roger Whitaker bei Darmbeschwerden. Aber lasst mich damit in Ruhe und gefährdet mich nicht. Und denkt vielleicht ab und an mal nach.

 

Christian