OK Go WTF?!?

OK Go – sie haben es schon wieder getan! Eigentlich ist die Band aus den USA ja schon ein relativ alter Hut und so ziemlich jeder sollte schon mal ein Musikvideo gesehen und „Ach du heilige Scheiße“ gedacht haben. Bei OK Go weiß man nämlich nicht, ob sie Videos drehen um ihre Musik zu promoten oder die Songs üble Notwendigkeit sind, um mal wieder aus der Trickkiste filmischer, physikalischer oder einfach organisatorischer Kunst zu greifen.

Auch dieses Mal wird es wieder bunt, laut und explosionsreich – und alles auf den Punkt gebracht. Und wieder sitze ich davor und überlege, was ich da gerade ansehe und wie das funktionieren kann.

Denn wenn man ein Video der Band zum ersten Mal sieht, fragt man sich noch, wie viel Fake da drin stecken mag, doch spätestens beim zweiten Making Of erahnt man, dass da einfach Profis am Werk und im Boot sind, die ihr Handwerk verstehen und solche grandiosen Dinge zaubern.

Ich habe mal eine kleine Auswahl zusammengestellt, aber eigentlich solltet ihr den kompletten YouTube-Kanal durchsehen.

Nichtsdestotrotz bleibt die Auto-Nummer mein absoluter Favorit:

 

(If) we could steal time just for one day, Mr. Bowie

My death waits to allow my friends A few good times before it ends Let’s not think about the passing time

Man weiß fast gar nicht, was man sagen soll – es gibt wenige Künstler, deren Tod mir nah geht und wo ich einen herben Verlust sehe. Ein paar nur noch, die das schaffen. Ein paar habe ich schon erlebt. Bowie ist definitiv einer der härtesten. Unheimlich viele schöne Erinnerungen, eine gewisse Verehrung eines Mysteriums. Vor kurzem habe ich noch das Feature über seine Zeit in Berlin gehört, mein Bowie/Kinski-Tattoo zu planen begonnen und mich sehr auf das neue Album gefreut, noch ein mal „Das Labyrinth“ gesehen und immer wieder meinen WhatsApp-Status auf „I will be king And you, you will be queen“ geändert … Ich halte nicht viel davon, Prominenten hinterher zu trauern, weil ihr Tod keinen direkten Einfluss auf mein Leben hat. Aber es gibt Ausnahmen. Und das hier ist eine. Eine verdammt große … Mach es gut …

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PS: Ich habe seit einiger Zeit ein IFTTT-Recipe laufen, das wahllos Bowie-Gifs in meinen Twitterstream packt. Ich werde es laufen lassen …

 

… und der Thees singt uns ein Lied

Hamburg, Große Freiheit 36, 20. November. Als Letzter betritt ein Mann mit Lederjacke über vermutlich sorgsam ausgewähltem Double Denim die Bühne. Als wolle Thees Uhlmann davon ablenken gibt er Vollgas – von Beginn an. Seine Band tut es ihm gleich. Glaubwürdig ekstatisch untermalt sein Körper jedes Wort und jede Strophe. Ein wenig erinnern die Bewegungen an eine gelungene Kreuzung zwischen Joe Cocker und Henry Rollins. Faustschläge in die Luft, wie Uppercuts, die die Kraft jeder Zeile untermalt. Uhlmann lässt nichts aus, nicht einmal den Rap-Part von Casper bei „& Jay-Z singt uns ein Lied“, der an diesem Abend natürlich nicht da sein kann – fraglich, ob das nun wirklich schadet.

Die Lieder sind mehr als perfekt eingespielt, lassen keine „Naja, live sind die nie so gut“-Tiraden zu und passen in die Kulisse, wie es bisher für mich nur das Palladium in Köln geschafft hat. Vielleicht liegt es auch an der immer wieder zu betonende Leidenschaft, die die Musiker da von der Bühne schieben. Uhlmanns Jeanshemd verwandelt sich zum On-the-fly-Batikshirt der frühen Neunziger. Die Liebste und ich stehen in der Menge, genießen die letzten Zugaben und den überteuerten Jägermeister-Red Bull und merken, dass der Abend langsam dem Ende entgegen geht. Uhlmanns Jeanshemd hat schon Feierabend und nun trägt er das Merchandise-Shirt der Vorband. Ein Bühnenfauxpas, den wir ihm verzeihen – so, wie das Double Denim.

 

Olli Schulz und der Bär Bernd

Wer Geburtstag hat, der lädt verdammt noch mal auch Leute ein! Wo kämen wir denn dahin? Olli Schulz hatte Geburtstag und hat sich vorbildlich an den Grundsatz gehalten – wobei, zahlen mussten wir dennoch. Doch lud er nicht nur uns und weitere andere Menschen zu den vier Konzerten in Berlin und Hamburg ein, sondern auch den geschätzten Kollegen Bernd Begemann. Unsere Karten für den Zusatztermin in den „Fliegenden Bauten“ gezückt. Sonntag, 20 Uhr. Tische im Halbrund, Espresso und das große Holsten auf dem Tisch. Dame trinkt Sekt und kaut Brezel – bisschen Stilbruch muss sein.

Pünktlich schlendert das Geburtstagskind auf die Bühne und kündigt das an, was die Tourettehandschrift auf der Leinwand vermuten lässt: einen Abend mit Bernd und Olli. Wie gut auf dem iPad gemaltes aussehen kann, wird heute Abend nicht gezeigt, aber die Kategorienbilder zeigen, worauf wir uns einlassen. Schulz und Begemann wechseln sich ab und spielen für uns. Und für sich. Begemann spielt sowieso für die Kapelle in seinem Kopf – die Big Band, die seinen Rausch begleitet und die er verdient. Den Publikumswunsch nach „Don”t stop believing“ von Journey gekonnt angerissen und durch „Don’t fear the reaper“ von Blue √ñyster Cult ersetzt, auf seinen Song übertragen und mit nahtlosem Übergang hinter sich gelassen – nur kurz deutlich gemacht, was für ein großes musikalisches Talent dahintersteckt. Ganz klar, wer an diesem Abend für die Kunst zuständig ist. Schulz übernimmt den informativen Part – wir erfahren, dass die Beatles eigentlich zu zehnt waren, was der eine Song im „Grünspan“ war und wie es im „Zungenkuss“ in Wandsbek zuging. Und wir lernen, wie Männerfreundschaften aussehen. Okay, der obligatorische Mix aus Kuscheln und Beleidigen ist gespielt, aber wir glauben es. An diesem Abend glauben wir einiges. Auch an die Wirksamkeit der Pillen unter unseren Stühlen, die jeder Gast bekommen hat, glauben wir, behalten sie aber doch lieber als Andenken.

Begemann greift seine Gitarre, das Hemd verschwitzt, die Haare frisch gekämmt. Er stimmt die Takte an, die mir kurz Gänsehaut bereiten – „Fernsehen mit deiner Schwester“. Das Lied, dessen Cover – im Übrigen immer noch das Beste, was „Echt“ je zu Stande gebracht haben – mich vor knapp fünfzehn Jahren überhaupt erst auf Begemann gebracht hat. Die Passage „Sie mag das Palm Beach Duo …“ wird ersetzt – wie immer, aber diesmal mit einem großartigen Monolog über „Grey”s Anatomy“ – „gut gespielt, Sir!“ Doch zurück in die Realität, zurück zu Schulz. Es wird heiß, es geht um Sex. Es geht um das Beste, was ich je auf einer Bühne mit einem Publikum sehen durfte: Begemanns und Schulz’ Darbietung der grausigsten Anmachsprüche der Menschheitsgeschichte. „Du bist verhaftet wegen sexy“. Wir sollen mitsingen – brav getrennt nach Mädchen und Jungs. Doch wir können nicht. Der Bauch krampft, die Luft fehlt und überhaupt ist der Moment zu großartig. Vielleicht auch weil er in der Erinnerung bleiben muss. So lange, bis das Lied auch einmal veröffentlicht wird. Bis dahin bleibt nur der kurze Mitschnitt des Abends.

Der Auftritt wird länger, nicht lang genug, doch nach zweieinhalb Stunden ist es vorbei. Sie haben alles gegeben, wir haben alles genommen. Auch Schulz” letztes Hemd, das er sich vom Körper riss – auf den Tischen im Publikum stehend, das Mikrofon in der Hand und schreiend, dass Jonathan Davis heiser geworden wäre. „My father fucked me in the ass“ – Schulz Handreichung an Ko–Øn, deren Platten er so ungern spielte. Damals, im „Grünspan“. Heute, in den „Fliegenden Bauten“, bleibt nur die Gute Nacht, die man sich wünscht. Einen verdammt guten Abend hatten wir ja. Danke, Bernd und Olli

Update

Mittlerweile ist der Song erschienen und ihr könnt „Verhaftet wegen sexy“ bei Amazon und iTunes herunterladen.

 

Den Himmel auf Erden

In der letzten Zeit geschieht in meinem Leben eine ganze Menge, die ich so nicht vorgesehen oder geplant hatte. Für Viele ist dies nicht immer so angenehm, oder sie können nicht nachvollziehen und verstehen, ob in diesen Veränderungen etwas innewohnt, das angenehm, schön oder einfach nur der positive Beginn von etwas Neuem ist.

Aber glaubt mir, es wird gut werden. Der Himmel auf Erden, er wird kommen. Für mich, für euch – für jeden da draußen.

Kopf hoch!

 

Musik, Persönlichkeit und Kevin Bannister

“Wenn ich eine Sorte Essen für den Rest des Lebens hätte?
Das ist einfach. PEZ. PEZ mit Kirschgeschmack.
Gar keine Frage.”

Verne Tassio – Stand by me

Einst erklärte Holgi in einer Ausgabe der WRINTheit dem feinen Herrn Semak, wie das Wort Lieblingsessen zu definieren sei. “Etwas, das du jeden Tag essen kannst, ohne dass es dir irgendwann zu viel wird” (an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass dies kein Zitat ist).

Wenn es also um die Frage des Lieblingsfilms geht, dann bleibt die Beantwortung ebenfalls unter der oben genannten Prämisse – welchen Film kann ich jeden Tag sehen, ohne dass er mir aus den Augen herauskommt. Welchen Film kann ich nahezu unentwegt auf mich wirken lassen und dennoch immer wieder Neues aus seiner Story und seiner Umsetzung für mich entnehmen. Welcher Film vermag dies sowohl auf künstlerischer, als auch auf inhaltlicher Ebene?
Eine Frage, die ich für mich eindeutig beantworten kann: High Fidelity, High Fidelity, High Fidelity! Und zur Sicherheit noch einmal: HIGH FIDELITY!*

“What came first? The music or the misery?” – was war zuerst da? Das Buch oder der Film? Natürlich das Buch von Nick Hornby, das ich verschlang und das immer und immer wieder seinen Weg in meine Hände findet. Um das Trio perfekt zu machen, muss natürlich das Hörbuch erwähnt werden, das zu einem der besten in der Hörbuchwelt gehört und verschlungen werden sollte wie Omas Käsekuchen!

Doch zurück zum Film. Zum Setting. Zum Cast. John Cusack? Jack Black? Tim Robbins?
Sollte ja eigentlich genügen, aber ausführbar ist es natürlich schon noch. John Cusack, der für mich neben Edward Norton, Ralph Fiennes und – nicht lachen – Brad Pitt zu einem der charismatischsten und besten Schauspielern gehört, wurde einzig und allein für diese Rolle geboren. Für nichts anderes. Punkt. Rob Gordon wurde für Cusack geschrieben und lebt in dessen Performance. Abgedroschener könnte ein Review nicht sein, aber die schnoddrige Verletzlichkeit, die sich in selbstgefälligem Mitleid suhlt kann nur durch die Realität besser dargestellt werden – und das war jetzt kitsch as kitsch can. But true. Word! Cusack wird zu dem Mann am Ende des Tresens, dessen Geschichte zunächst interessiert, dessen Ausführungen zustimmendes Nicken hervorrufen und dem man am Ende des vierten Bieres an den Schultern schütteln und “Komm mal auf dein Leben klar!” in die unten hängenden Mundwinkel brüllen möchte.

Dass Jack Black als Barry die meiste Zeit Schläge verdient hat dürfte nicht wirklich zur Debatte stehen. So großartig verkörpert Black die Rolle des nervtötenden Möchtegerngiganten, dessen bloßer Existenz wir unwürdig sind. Gipfelnd in der Gallagheresken “Let’s get it on”-Performance von “Barry Jive and the uptown Five”.

What came first?  The music or the
misery?  People worry about kids
playing with guns and watching
violent videos, we’re scared that
some sort of culture of violence is
taking them over…

But nobody worries about kids
listening to thousands — literally
thousands — of songs about broken
hearts and rejection and pain and
misery and loss.

Did I listen to pop music because I
was miserable, or was I miserable
because I listened to pop music?

Doch, um den großen Schmalztopf der Phrasen für Filmkritiken vollends zu füllen, bleibt die Frage, wer der wahre Star des Film ist. Natürlich – und hier greift die Phrase – ist der wahre Star die Story – das bekannte Gefühl, der Kampf des Protagonisten. Der Film lässt sich immer genießen, immer verschlingen, aber nur in einer Situation für seine Zwecke nutzen: one of those what-does-it-all-mean things. (Charlie Nicholson)

Jeder kennt dieses Gefühl und sollte es kennen. Der abgrundtiefe Schmerz nachdem die neue Ex-Freundin die Wohnung verlässt, die innere Kälte, die einen  am Tag darauf umgibt. Die unbändige Freude, wenn der potenziell neue Partner nicht zu ihr ins Bett darf und nicht zuletzt die Aufarbeitung bisheriger Beziehungen und der darin gemachten Fehler. Doch viel wichtiger währt bei der Betrachtung die Erkenntnis, dass alles vorbei geht und dass das Leben Seiten aufzeigen kann, die man bisher noch nicht erlebt hat. Im negativen Sinne sowieso, doch auch im positiven, denn das ist etwas, das das Leben kann – zeigen, dass alle Kevin Bannisters und Alison Ashmores der Welt nicht ausreichen um das eigene Gemüt vollends zur Verzweiflung zu treiben. Und das überall auf der Welt eine Marie LaSalle auf uns wartet.
Und wem das jetzt noch nicht zu viel Grey’s Anatomy-Off-Speak war, um in zuckerwattigem Wohlgefühl zu schweben, der sei auf die einzig wahre Liebe in der ganzen Geschichte hingewiesen: die Musik.

Dass der Soundtrack Dinge mit sich bringt, die das vermitteln, was unser Leidgenosse seit Jahren mit sich herumträgt, ist kein Geheimnis und gründet sich auf genau das, was uns am Ende bleibt – die Liebe zu uns selbst und zu einer Sache, die unser Herz schlagen lässt. Was auch immer das bei jedem einzelnen von uns sein mag.

Dass ihr den Film sehen müsst, ist keine Frage. Ob ihr den Film sehen wollt vielleicht schon eher. Habt ihr den Film gesehen? Noch nicht? Dann lasst euch gesagt sein:

…But the word “yet…” Yeah, you
know what, I’d get the impression.
that you wanted to see it.
Otherwise you’d say you didn’t
really want to.

 


*Möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich eine Punkband gründen werde, wir eine Platte aufnehmen auf der nur geschrien wird und wir diese “Kanal Versal” nennen werden. Justsayin’

 

Ein letztes Mal Winken und ich bin raus (… meine Perle)

Ein Profil in einer Singlebörse zu erstellen ist nicht wirklich eine große Kunst. Ein attraktives (wenn überhaupt reales) Foto, ein paar ansprechende Eigenschaften, Interessen und zum Schluss noch etwas tief schürfendes, das den Leser glauben lässt, dass der Verfasser ein großes Potenzial hinter seiner Fassade beheimatet.

Nicht selten bewirkt so ein Profil bei Menschen auf der Suche nach dem Glück ein Interesse, das sich so schnell nicht stillen lässt. Gerne möchte man mehr von diesem Menschen wissen, erfahren und ihn real kennenlernen. Ihm in die Augen sehen um zu wissen, ob das Grundgerüst, das man sich in seinem Kopf zusammengesponnen hat, auch tatsächlich stimmt, vielleicht sogar verbessert wird.

Mitunter wünscht man sich mehr, wünscht sich hinter die Augen des anderen blicken zu können und zu erfahren, ob der Platz in seinem Herzen frei und bequem ist, um dem eigenen Gemüt, den eigenen Sorgen und der eigenen Liebe eine Heimat zu bieten.

Doch nicht immer wird diese Beziehung real. Man verliebt sich. Verliebt sich in etwas, das man nur zu kennen glaubt. Eine unerfüllte Liebe zu etwas, das nur ein Gedanke, ein Moment oder eine Hoffnung ist.

Doch gerade wenn die Umstände des eigenen Lebens alles andere als gut sind, die Traurigkeit überwiegt und die Perspektive fehlt, dann gibt es Momente, die einen hoffen lassen und eine Scheinwelt errichten, die sich gut anfühlt. In der man leben möchte, obwohl man es nicht tut. Ein Schlaraffenland, in dem das Leben einfach scheint. Zumindest schöner, einfacher, spannender.

Diese Liebe habe ich gefunden – unerwidert, selbstverständlich. Es ist eine Liebe, die auf ein paar minimale Erfahrungen basiert. Eine Liebe, die nur auf Gedanken, Informationen und Hoffnung basiert.

Gesehen habe ich meine Liebe noch nie – wir führen eine Fernbeziehung. Die Frage, ob ich sie irgendwann einmal sehen möchte, kann und will ich nicht beantworten. Die Angst enttäuscht zu werden ist zu groß. Vielleicht ist sie zu hässlich und zu laut, riecht oder stößt mich weg, wenn wir uns sehen.

Bis dahin bleibt meine Faszination, meine Liebe und mein Herzblut weiter so lodernd, wie sie es seit Jahren ist. Vielleicht sehen wir uns irgendwann, meine Schöne. Und dann wird es für immer sein.

Bis bald Hamburg.

 

Wahrnehmung

Wir haben Zeit. Wir nehmen uns Zeit. Wir nehmen uns Stunden, Minuten, Momente, Augenblicke.

Wir bereuen Zeiten, sehnen uns zurück, trauern hinterher, verteufeln. Doch diese Zeiten gehören zu uns.
Diese Zeiten prägen uns.

Zeit ist einteilbar, definierbar. Stunden haben 60 Minuten, Minuten haben 60 Sekunden. Momente hingegen sind nicht einteilbar. Einen Moment kann man nicht messen. Ein Moment variiert von Standpunkt zu Standpunkt, von Abstand zu Abstand, von Gefühl zu Gefühl.

Wir nehmen Momente als etwas wahr, dass für den Augenblick gilt – für den Augenblick die größte Bedeutung besitzt. Erinnern wir uns an diesen Moment zurück, dann gilt seine Wirkung erneut nur in diesem konkreten Augenblick. So meinen wir.

Genieße den Augenblick, denn der Augenblick ist dein Leben.

Jeder Augenblick beeinflusst uns, in jede Richtung. Jeder Moment hinterlässt Spuren und brennt sich in die Seelen und Herzen der Menschen. Doch lässt sich ein Moment verzerren? Ist der Moment an sich nicht stark genug seine Bedeutung zu behalten?
Besteht der Moment nicht jede Zeit?

Erst die fortwährende Vertiefung der Bedeutung des Momentes verschärft ihn – macht ihn unsterblich.

Das Spielzeugauto des Kindes, das 40 Jahre später im Keller wiedergefunden wird. Die Bank des jungen Paares, auf der man einst in die Sterne gesehen hat und die nach unzähligen Wintern immer noch an der gleichen Stelle steht. Der Kuss am Morgen, der einen in den Tag führt. Momente und Bedeutungen, die das Leben prägen. Mehr als man meint – mehr als einem bewusst wird.

Doch wird der Moment vernachlässigt, nicht weiter vertieft, so wird er zum Schmerz, sobald er entdeckt und als zu lange fern geblieben erkannt wird.

Wir haben Zeit. Zeit all diese Momente zu sammeln, zu bewahren und mit all unserer Kraft daran zu arbeiten, dass diese Momente nie ihre Bedeutung verlieren.

 

Helden – Listen tonight

“Du willst mir 100 Euro geben, damit ich den Song spiele? Sehe ich so aus, als bräuchte ich 100 Euro? Ich geb’ dir 1000 damit du die Klappe hälst!”

Noel Gallagher – 03. Oktober 2012, Düsseldorf

Es gibt Musik und es gibt die große Liebe. Es gibt Lieder und es gibt Gefühle. Es gibt Musiker und es gibt Helden. “Please don’t put your life in a hand of a Rock’n’Roll Band” – zu spät. Mein Herz habe ich vor 15 Jahren an Oasis verloren. Oder gewonnen. Mal so, mal so.

In dem Moment wo Noel heute Abend die Bühne betrat, war für mich alles in Ordnung. Alles im Einklang. Alles so, wie ich es immer haben wollte. Die Augen schließen und die schmerzliche Kraft inhalieren, die sich nicht durch die Boxen übertragen lässt. Lederjacken-Scheißegalhaltung und “Aber-wenn-du-mich-richtig-nimmst-bin-ich-alles-für-dich”-Attitüde spürst du nicht über Saiten, Kabel und Technik – sie sind einfach da.

Rechts und links liegen Mädchen in den Armen ihrer Freunde. Bei mir nicht. Das ist mir egal.
“Zu Oasis kann man nicht tanzen, zu Oasis kann man nur trinken.” Oasis ist für Jungs, die Gefühle, die sie in mir auslösen für die Mädchen. Spätestens in dem Moment, wo Noel seine Gitarre nimmt und “Talk Tonight” anstimmt. Seit einem Jahrzehnt begleitet mich dieses Lied. Trägt mich. Lässt mich Menschen so nehmen, wie ich es tue. Heute höre ich zu. Genieße jeden Ton, jeden Takt und alles, an was es mich erinnert.

“I’ll Never Say That I Won’t Ever Make You Cry”

Das habt ihr nie. Nur dabei begleitet. Und das werdet ihr weiterhin. Immer.

Ach ja! Fuck you, Blur!